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Das große Glück der 269 Tage Dank und Nachruf für Bonnie
Der Tag war langweilig,- wie jeder Sonntag, an dem man allein zu Hause vor dem Computer sitzt. So kam ich zufällig im Internet auf eine Tierheim-Adresse irgendwo in Nordrhein-Westfalen. Sie war sehr interessant gestaltet, und sogar einige der traurigen Insassen waren abgebildet, die durch das relativ neue Medium Internet ein schönes Plätzchen für ihr weiteres Leben suchten. Ja, und wenn ein Tierheim zu sehen ist, dann sind da auch sicherlich mehr Heime, die man visionell besuchen kann. Die Reise ging durch ganz Nordrhein-Westfalen, aber auch in Niedersachen, wo ich ja wohnte, besuchte ich die Heime, die ich ohnehin schon kannte, weil ich von dort einen Hund mitgenommen hatte. Aber ich ging wieder in das Bundesland mit dem Ruhrgebiet in der Mitte und kam zum Tierheim Dülmen. Sie stach mir regelrecht ins Auge. Sie saß auf einer Wiese und schaute mit ihren klugen, kleinen Augen verschmitzt in die Kamera. Mit der ersten Sekunde der Betrachtung war mir klar: sie ist mein Hund! Sie hieß Bonnie, war schon 10 Jahre alt und durch und durch eine Colliedame. Ich setzte mich sofort mit dem Tierheim in Verbindung. Am Telefon wurde mir gesagt, dass Bonnie eine „Erzählerin“ war und alles kommentieren würde. Mit jeder Beschreibung war klar, dass wir ganz einfach zusammen gehörten. Eine Beauftragte des hiesigen Tierheimes kam zu mir, um sich ein Bild von mir, meinen anderen beiden Hundedamen und der Örtlichkeit zu machen und dann einen Bericht an das Dülmener Tierheim zu schicken. Am 31. Mai war es dann soweit! Ich hatte in den Tagen zuvor noch schnell eine Trennwand für das Auto entworfen und eingebaut und den Wagen damit vom Fünf- zum Zweisitzer gemacht. Wir starteten und fuhren zu den Eltern nach Duisburg und wollten auf dem Weg dahin, einen Abstecher nach Lette zum Tierheim machen, um Bonnie kennen zu lernen. Mit Bonnie allein machte ich einen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald, und erzählte ihr von einem großen Garten, der zu Hause auf sie warten würde. Auf dem Rückweg gingen wir zum Auto, in das sie vorne einstieg, Platz nahm und schon eigentlich gleich mitfahren wollte. Der erste Nasenkontakt zu Bitsa und Blanca wurde auch aufgenommen und für gut befunden. Doch sie musste wieder aussteigen und noch einen Tag warten. Am 1. Juni fuhren wir wieder hin, gingen alle zusammen noch einmal spazieren. Nach dem formellen Teil durfte dann auch Bonnie nach einer großen Verabschiedung zu den anderen Mädels ins Auto steigen und endlich mitfahren. Ich hatte Wort gehalten, der Garten war wirklich da, und sie fand auch prompt einen Stock, den sie mir zum Spielen brachte. Ach, ich hatte endlich wieder einen Hund, der mit mir spielte, denn die anderen beiden beschäftigten sich lieber mit sich selbst. Auch erzählte sie mir immer mehr und machte mir auf diese Weise klar, was sie wann von mir wollte. Mir schien, als ging eine zweite Sonne über mir auf. Da, wo ich ging, saß, oder stand war auch Bonnie. Sie mochte es gar nicht, wenn ich mal weg musste und machte über ihren großen Verlust lautstarken Protest. Wenn ich dann wieder kam, war die Freude riesengroß, und sie wusste vor Begeisterung nicht, wo sie sich lassen konnte und fand ihr „Freudeventil“ darin, dass sie vor Freude „jammernd“ mit den Vorderläufen ein paar Mal auf dem Boden scharrte. Auch morgens, wenn ich erwachte, kam sie seitlich an mein Bett, jammerte mir mit ihrer langen Schnauze am Gesicht vorbei an den Hals, als würde sie bedauern, dass sie mich ja sooo lange nicht gesehen hatte, weil auch sie ja geschlafen hatte. Auch wenn es manche Menschen nicht mögen, so genoss sie es besonders, sich dann noch einmal zu mir ins Bett zu legen. Sie kuschelte sich dicht an mich, ließ sich zudecken und unter der Decke das wunderbare, wuschelige Fell durchkraulen zu lassen. Das war unser erstes Highlight des Tages!
Es gab wieder Sonntage am PC, aber keiner von ihnen war noch langweilig. Bonnie lag ja zu meinen Füßen, kam auch zwischendurch immer an und ließ sich beschmusen. Sie sagte mir auf ihre Art, dass es an der Zeit für den Spaziergang ins Feld sei.“! Sie hatte mir beigebracht, dass sie dann einen Stock tragen wollte, der stets griffbereit hinter dem Fahrersitz lag. Sie passte zusammen mit den anderen Mädchen auf das Auto auf, wenn ich dieses verlassen hatte. Der Nachbar wurde tüchtig verbellt, wenn er sich uns auf einen Plausch näherte, und während sie ihn ausschimpfte, stellte sie sich, mich schützend, quer zu mir zwischen uns. Sie hatte überhaupt eine Menge zu sagen, und ich verstand „jedes Wort“!
Wir waren zufrieden, wenn wir nur zusammen waren. Bonnie hatte es der sonst so gerne dominanten Blanca beigebracht, wie sich diese zu benehmen hatte. Sie brachte ihr sogar das Herumtollen bei, und sie jagten sich gegenseitig quer durch den Garten und nahmen, wenn es sein musste, auch noch den Garten des Nachbarn für sich ein. Die 14-jährige Bitsa ging dagegen lieber den Spuren der Wildtiere nach. Und so konnten wir uns die gemeinsamen nächsten Jahre vorstellen, doch es sollte anders werden...
Vor zwei Wochen hatte Bonnie unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund in die Wohnung gemacht. Sie hatte ihre Blase nicht mehr halten können. Das passierte ihr ein paar Tage nacheinander. Es war ihr sichtlich unangenehm, und sie schämte sich. Schließlich fuhren wir zur Tierärztin, die ihr eine Spritze gab und Tabletten zum Eingeben verordnete. Bonnies Zustand verbesserte sich nicht, im Gegenteil, sie blutete leicht. Dabei konnte sie nicht läufig werden, da sie bereits vor Jahren kastriert worden war. Wieder und wieder fuhren wir zur Ärztin, die Bonnie Blut abnahm und dieses untersuchte. Auch wurde Bonnie geröngt, und das Bild ergab, dass sich wahrscheinlich ein Tumor gebildet hatte. Aber ganz genau liess sich das nicht ersehen. Tapfer ließ sich Bonnie untersuchen, auch wenn das manchmal schmerzhaft sein musste. Sie frass immer weniger, und schliesslich verweigerte sie drei Tage lang ihr Futter. Am Sonntag ging es ihr wohl etwas besser, so dass ich beschloss, mit ihr allein ins Feld zu fahren, damit sie sich hungrig laufen sollte. Mein Plan schien aufzugehen, denn sie nahm zwar kein Futter, aber eine Bratwurst von mir an. Ich war dankbar, dass sie wenigstens etwas in ihrem Bäuchlein hatte, denn sie war sichtbar abgemagert. Auch am Montag fuhren wir zum Feldweg, doch sie schwächelte und hatte deutliche Mühe gegen den Wind anzulaufen. Schliesslich musste ich Bonnie ein Viertel des Rückweges tragen. Behutsam setzte ich sie in den hinteren Teil des Autos und fuhr mit tränenden Augen nach Hause zu den wartenden Hundemädchen. Auch sie hatten längst erkannt, dass Bonnie sehr krank war und liessen sie in Ruhe. Inzwischen konnte sie selbst das Trinkwasser nicht mehr bei sich halten und erbrach es nach kurzer Zeit. Am Dienstag wollte ich Bonnie sauber machen. Dafür hatte ich Kamillentee gekocht und auf Handwärme abkühlen lassen, denn kurz zuvor hatte ich einen kleinen Klecks an der Stelle auf dem Boden gesehen und entfernt, an der gerade noch gelegen hatte. Ich füllte den Tee in eine grosse Schlüssel, schnitt ein Schwämmchen zurecht, mit dem ich ihr äusseres Geschlechtsorgan vorsichtig abtupfen wollte. Als ich ihren buschigen Schwanz hob, sag ich erst das ganze Ausmass, denn das gesamte wuschelige Fell war darunter eitrig nass. Zitternd erhob ich mich und konnte zunächst keinen klaren Gedanken fassen. Ihr Blick untersagte es mir, die Tränen aufkommen zu lassen. So sollte es nicht enden, mein kleines Mädchen sollte nicht leiden und kläglich eingehen. Schliesslich erwachte ich aus der Erstarrung und handelte. Ich rief die Tierärztin an und bat darum, dass Bonnie eingeschläfert werden sollte und bekam auch einen Termin um 14:30 Uhr. Das bedeutete, dass wir noch zwei Stunden hatten, in denen wir uns voneinander verabschieden konnten. Der Nachbar hob mir im Garten ein kleines Grab für Bonnie aus, während ich den grössten Teil dieser zwei Stunden auf dem Boden sass und meinen sterbenden Hund streichelte. Eine halbe Stunde vor unserem Termin kam eine Bekannte, die ich gebeten hatte, das Auto auf dem Rückweg zu fahren. Nach einem Abschied vom Garten traten wir unsere letzte gemeinsame Fahrt an. Die Ärztin erwartete uns schon im Behandlungsraum. Bonnie legte sich auf den Tisch, liess sich artig eine Stelle an der Pfote rasieren, an der die todbringende Spritze angesetzt wurde. Ihr war bewusst, dass sie jetzt sterben musste und ergab sich tapfer ihrem Schicksal. Ihr Kopf legte sich schwerer werdend tiefer in meinen Arm, und ihr in der kurzen Zeit abgemagerte, kleine Körper entspannte sich. Bonnies Leben war zu Ende. Wir betteten ihren kleinen Körper in eine Decke und brachten sie zum Auto. Sie sollte ihr letztes Bett an der Stellen haben, wo sie so gerne gespielt hatte,- in unserem Garten.
Ein letztes Streicheln und ein Danke sagen für die wunderschöne, aber viel zu kurze Zeit, bevor ich nach einem letzten Blick ihr Grab schloss. Jetzt konnte sie schlafen, ohne Schmerz und Pein. Zurückblieben nun ein weinendes Frauchen, und zwei Hundedamen, die ihre Artgenossin suchten und vermissten. Unsere Herzen sind schwer, unser Schmerz gross und die Seele ist leer. Bonnie scheint sie mit sich genommen zu haben. Ein grosses Herz voller Liebe hatte aufgehört zu schlagen. Es war um 14:50 Uhr des gestrigen Tages, und es wunderte mich auch nicht, dass genau 24 Stunden später ohne ersichtlichen Grund der aufgestellte Wecker von meinem Monitor rutschte und zu Boden fiel. War es ihr Zeichen, dass sie gut im Hundehimmel angekommen war, und dass es ihr jetzt besser ging? Auch nach ihrem Tod wollte sie mir noch Trost schenken...
Und nun noch ein paar persönliche Worte an dich, meine Bonnie! Ich danke dir für diese 269 Tage, in denen du mit deiner Liebe den puren Sonnenschein geschenkt hast. Ich danke dir auch für die schönen Schmusestunden, in denen du dich morgens tief in meinen Arm eingegraben hast und vor Wohlbehagen vor dich hingebrummelt hast. Ich danke dir für so vieles, das ich einen Tag nach deinem Tod noch nicht in Worte kleiden kann, und doch werde ich nie all diese Stunden voller Glück vergessen. Aber am Meisten möchte ich dir danken, dass du die wenigen, aber diese 269 Tage deines Lebens geschenkt hast! Du wirst immer einen festen Platz in meinem Herzen haben
DANKE !
Diese rührende Geschichte hat uns eine ganz liebe Tierfreundin geschickt, an die wir wie die Jungfrau zum Kind gekommen :
Wir bekamen ein Päckchen mit einem liebevoll genähten sog. Inkontinenzhöschen für einen älteren Hund, der aber nicht unserer, sondern der eines anderen Tierschutzvereins war. Hier hatte sich in der Adresse der Fehlerteufel eingeschlichen. Wir riefen die nette Dame an und wollten versprechen, das Päckchen an die richtige Adresse weiterzuleiten. Nein, nein, behalten Sie das Höschen für einen Ihrer Hunde, der es einmal gebrauchen kann, sagte die Dame. Wir bedankten uns und kamen ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass die Dame auch Pullover für Hunde strickt, die wegen ihres dünnen Fells oder weil sie geschoren werden mussten, in der kalten Jahreszeit frieren. Spontan bot sie uns an, für unseren Angelo, der immer friert, einen Pullover zu stricken und auch einen für unsere alte Bonny, die geschoren werden musste, weil ihr Fell so furchtbar verfilzt war. Angelo trägt jetzt mit Begeisterung diesen warmen Pullover, sieht er nicht todschick aus ? Der grosse Vorteil gegenüher einem wärmenden Mantel ist, dass der Pullover beim Spaziergang nicht ständig hin- und herrutscht, sondern immer schön anliegt.
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Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, liebe Marion !
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