Andra (früher Afra)

Nachdem wir Afra am 22. 07.  2007 bei “Tiere suchen ein Zuhause” vorstellen durften (sie hatte so viel Angst, dass sie ins Studio und vor die Kamera getragen werden musste), meldete sich eine nette Dame, in deren Familie schon zwei Rüden leben. Ein Besuchstermin war schnell vereinbart, aber das Interesse beruhte - wie bei unserem Angsthasen (Hilfe, eine Fremde) nicht anders zu erwarten war - nicht auf Gegenseitigkeit. Das zukünftige neue Frauchen liess sich davon nicht beeindrucken, sie hatte schon einmal eine sehr ängstliche Hündin aufgenommen und erfolgreich in die Menschen- und Hundefamilie integriert. Wir liessen uns ebenfalls nicht beeindrucken, wussten wir doch, dass Afra bei jedem Fremden so ängstlich reagieren würde. Im neuen Zuhause waren die Bedingungen ideal: Das Grundstück von einer hohen Mauer umfriedet (nix mit über den Zaun springen oder gar unten durchgraben), zwei nette Hundekumpels, nette Frauen, nette grössere Kinder. Was wollten wir mehr. Dann bekam Afra auch noch Post von ihren künftigen Menschen und ein Bild mit vielen neuen schönen Sachen, die schon für sie besorgt worden waren:

Hallo liebe Afra,

wir waren heute schon ’mal für Dich einkaufen. Wie Du auf dem Foto sehen kannst, haben wir Dir ein tolles rotes Kissen, einen neuen Napf, ein neues Geschirr – das musst Du aber nur tragen, wenn wir spazieren gehen -, eine Flexileine, damit Du am Anfang, wenn Du noch nicht alleine laufen darfst, wenigstens etwas Auslauf hast ( eine andere Leine haben wir aber auch noch ) und einen pinken Stiefel zum Spielen gekauft. Pink ist übrigens die Lieblingsfarbe Deines neuen Frauchens.

Wir – Dany mit Snoopy und Moni mit Paulchen – freuen uns schon sehr auf Dich und hoffen, Dir gefällt es auch bei uns. Paulchen geht es mittlerweile auch wieder besser, so dass er gleich am Sonntag mit seiner neuen Aufgabe anfangen kann, nämlich Dir zu zeigen wie schön ein Hundeleben sein kann.

Wenn Du am Sonntag kommst, haben wir natürlich auch Leckerchen und Futter für Dich. Für die Dich begleitenden Zweibeiner werden wir wohl Kaffee und Kuchen haben (das gab’s dann auch :-).

Also dann bis am Sonntag.

Deine Frauchen ( 1. Frauchen ) Dany und Moni

 

Also machten wir uns mit Afra auf den Weg dorthin. Ins Auto musste sie natürlich getragen werden und natürlich von dort ins Haus hinein. Hätte Afra der Schweiss ausbrechen können, wäre es jetzt der Fall gewesen. Sie tigerte unruhig durch den Hof, ignorierte die Rüden und verkroch sich in eine Ecke. Das wird sich auch in den nächsten Tagen nicht ändern, so dachten wir, sie wird bestimmt im Garten schlafen.

Nach einem längeren Gespräch (und leckerem Kuchen) und einiger Zeit machten wir uns fertig zum Aufbruch, mit - ehrlich gesagt - ganz schlechtem Gewissen. Wie konnten wir es über’s Herz bringen, dieses ängstliche Bündel Hund bei fremden Menschen zu lassen ? Afra dachte genau so, stand auf und wollte wieder mit. Wir wussten, dass wir, wenn wir sie da liessen, wirklich nur das Beste, ein eigenes Zuhause und keinen Zwinger mehr, für sie wollten, aber der Abschied fiel uns schon sehr schwer und Tränen flossen. Afra war über sieben Monate bei uns gewesen, wir hingen (und hängen) sehr an ihr. Wir machten uns grosse Sorgen, ob alles gut gehen würde und bekamen diese erste Nachricht vom 09. August, die uns nicht wirklich beruhigen konnte:

Hallo nach Köln,

ja wie geht es mit unserer ANDRA ? Mit uns Zweibeinern gibt es überhaupt keinerlei Probleme. Sie kommt, wenn man sie ruft, frisst, ist stubenrein, lässt sich anfassen, rennt wie bekloppt, wenn wir draußen sind, bleibt brav alleine, liegt ruhig auf ihrem Kissen… ein Glücksgriff. Wenn, ja wenn es auch so super mit unseren zwei Rüden klappen würde. Im Moment ist es so, dass wir sie getrennt halten, wenn wir nicht da sind, da Andra jedes Mal, wenn einer nur in ihre Nähe kommt, anfängt zu knurren. Auch hat sie bereits ein paar Mal nach ihnen geschnappt. Passiert ist aber nichts. Unsere beiden sind momentan recht eingeschüchtert und gehen ihr halt aus dem Weg. Wir wollen aber noch nicht aufgeben und ihr noch Zeit geben, dass sie sich auch an die beiden gewöhnt. Beim Spazierengehen rennt sie auf Paulchen zu und macht Anzeichen, dass sie mit ihm spielen will. Das ist aber durch die Leine nicht so richtig möglich, aber frei lassen möchte ich sie noch nicht. Ich denke, dass sie im Haus glaubt, alles wäre ihr und sie müsste es verteidigen. Die beiden dürfen auch nicht in die Nähe ihres Kissens, geschweige denn ihres Napfes. Und das sind beide einfach nicht gewöhnt. Aber wir glauben, dass sie auch das lernen wird. Wahrscheinlich hat sie einfach Angst, man würde ihr etwas wegnehmen.

Wir geben noch nicht auf und glauben, wir schaffen auch das. Wir melden uns wieder.

Oweia, wir sahen Afra schon wieder im Zwinger sitzen.

Dann, am 14. August, diese Nachricht mit einem gaaanz wichtigen Satz, der uns wieder Hoffnung gab und  uns unsere Ängste nahm:

...so weit so gut. Wir lassen sie jetzt morgens mit den anderen zusammen, wenn wir das Haus verlassen und da wir beim Nachhausekommen weder Bisswunden noch Blutlachen gefunden haben, gehen wir davon aus, dass alle drei so etwas wie „friedliche Ko-Existenz“ praktizieren. Wenn das so klappt, sind wir zufrieden. Ansonsten ist sie einfach nur ein Schatz. Beim Spaziergehen müssen wir im Moment noch viel „arbeiten“, denn sie vergisst oft, dass sie an der Leine ist und sprintet urplötzlich los und reißt mir bald den Arm aus. Aber sie hat sich auch schon schlechte Eigenschaften von Paulchen abgeguckt: sie bellt jetzt Autos an und will sie „anspringen“. Wir hoffen, das gibt sich wieder. Fremden gegenüber ist sie draußen noch sehr sehr scheu, aber wenn wir Besuch haben, verzieht sie sich nur.

Wir geben sie nicht mehr her !!!!!!

Jetzt liegt sie neben mir und wartet sehnsüchtig auf die abendliche Runde. Dann gibt kein Halten mehr und das scheue Mädchen entwickelt sich zum springfreudigen Laufhund.

Und am nächsten Tag kam die endgültige Entwarnung, so dass unsere Nachtruhe wieder gesichert war :-)

Hallo hier sind wir wieder.

Es geht ständig bergauf. Heute hat Andra zum ersten Mal mit Paulchen gespielt und gestern Abend durfte Snoopy sich auch schon ihrem Kissen nähern. Ab und zu kommt zwar noch ein Knurren aus tiefster Kehle, aber wenn sie wirklich böse wäre, hätten wir hier bestimmt schon dreibeinige oder ohrlose Hunde. Sie hat wahrscheinlich immer noch Angst und traut ihrem eigenen Schatten nicht. Aber es wird.

Im Anhang findet Ihr noch ein paar Zeilen, die Andra über ihre ersten Tage hier geschrieben hat.

Liebe Grüße

Tagebuch einer vierbeinigen Zicke

Hallo zusammen,

allen, die mich persönlich nicht kennen, möchte ich mir hier kurz vorstellen: ich bin ein eingedeutscher portugiesischer Straßenhund, eine wie mir scheint gelungene Mischung aus Münsterländer und Schnauzer und jetzt im August 2007 irgendwo zwischen 4 und 5 Jahren alt. Mit meinem genauen Alter ist das so eine Sache, da mein Erzeuger sich ruckzuck vom Acker gemacht hat und auch meine Mama sich wohl nie so richtig um mich kümmern konnte oder wollte. Jedenfalls habe ich mein Leben im sonnigen Portugal auf der Strasse gelebt bis man mich eingefangen hat und in eine Art Tierheim steckte. Da wäre ich dann wohl über kurz oder lang zum Engelchen gemacht worden. Keine tolle Vorstellung !

Dort haben mich dann glücklicherweise nette tierliebe Zweibeiner gesehen und eh ich mich versah, war ich bei Menschen für Tiere im Tierheim Köln-Ostheim gelandet. Dort war es zwar ganz nett, aber immer noch kein richtiges Zuhause. Immerhin habe ich auch angefangen meine wichtigsten Überlebensregeln, die man als Straßenhund braucht, langsam abzubauen:

 

  • immer den Rücken freihalten
  • immer alles sofort auffressen was man findet – es könnte sonst ein anderer kommen und es mir wegnehmen und
  • immer einen Fluchtweg im Auge behalten.
  • Nach einigen Monaten im Tierheim hatte ich begriffen, dass nicht alle Zweibeiner gemein sind, nein manche scheinen uns Vierbeiner sogar richtig zu mögen und alles zu versuchen, dass es uns gut geht. Auf jeden Fall hatten meine mir zugeteilten Zweibeiner beschlossen, mich Schönheit doch ’mal im deutschen Fernsehen in der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ vorzustellen, damit auf diesem Wege vielleicht ein nettes Herrchen oder Frauchen mich sieht und sofort haben will.

    Dem war dann auch so ! Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mich auch verdammt clever angestellt habe. Alle anderen Hundekollegen marschierten schwanzwedelnd ins Studio, aber ich wusste, das funktioniert bei mir nicht. Ich mach’ einen auf scheu und ängstlich. Na ja, ein wenig war ich das ja auch. Also, nicht ins Studio marschieren, sondern gefälligst tragen lassen. Dort dann Schwanz zwischen die Beine und ganz ängstlich gucken (Anmerkung der Webmasterin: das kann man hier sehen: http://www.wdr.de/tv/service/tiere/inhalt/20070722/b_1d.phtml#d5.) Und es hat geklappt ! Mein neues Frauchen saß vor der Glotze, sah mich und war hin und weg.

    Ein wenig sauer war ich im nachhinein schon, dass sie nicht postwendend zum Hörer griff, um sich bei den mich verwaltenden Zweibeinern nach mir zu erkundigen. Immerhin hatte sie gerade ihren geliebten Neufi durch Krankheit verloren und war noch in der Trauerphase. Na ja, kann man auch verstehen. Aber nach 2 Tagen, in denen sie im Internet noch mal meine Schönheit bewundert hat, rief sie bei Menschen für Tiere an und vereinbarte einen Termin.

    Ein paar Tage später kam sie dann auch nach Köln, aber leicht habe ich es ihr trotzdem nicht gemacht. Erstmal Abwehrhaltung – immerhin sie ist ein Zweibeiner. Im strömenden Regen sind wir spazieren gegangen, aber ich habe sie stur ignoriert. Aber ich musste aufpassen, denn sie hatte auch meine Konkurrentin, die Lilly, gesehen. Nicht, dass die mir die Tour vermasseln würde ! Ätsch, hat sie nicht geschafft. Frauchen wollte nur mich. Und hier bin ich jetzt, mitten in Rheinland-Pfalz, in einem Kuhdorf. Sollte ich eigentlich nicht sagen, denn die hier lebenden Zweibeiner sind richtig stolz auf ihr Dorf, aber als ehemaligem Stadthund sei mir das erlaubt.

    So, und nun fangen wir mit meinem Tagebuch der ersten Tage im neuen Zuhause an.

    Sonntag, 05.08.2007

    Gegen Mittag werde ich ins Auto verladen, und wir starten Richtung neues Zuhause. Obwohl wir uns noch verfahren haben, sind wir dann glücklich und endlich angekommen. Da ich meinem Ruf gerecht werden musste, bin ich natürlich nicht ausgestiegen, sondern ließ mich majestätisch gelassen tragen. Mal sehen, was mich erwartet.

    Aha, ein großer weißer Kasten, den die Zweibeiner Haus nennen und einen Hof, der mit hohem Tor und einer ebensolchen Mauer umgeben ist. Nix mit Fluchtmöglichkeit. Zwei große Zweibeiner sind da und zwei kleinere. Es soll noch zwei weitere Kleine geben, aber die sind im Augenblick im Urlaub, was immer das bedeutet. Die vorhandenen Zweibeiner scheinen ganz nett zu sein, aber erstmal Distanz bitte. Zwei kleine männliche Vierbeiner sind auch da, aber noch interessieren die mich überhaupt nicht.

    Die Zweibeiner sitzen auf der Terrasse und trinken Kaffee und bellen die ganze Zeit über mich. Ich nehme Platz und beobachte das alles sehr kritisch. Zu nahe soll mir jetzt bitte noch keiner kommen.

    Meine mir bekannten Zweibeiner stehen dann irgendwann auf und wollen gehen. Ach, ich glaube, ich gehe auch lieber. Die beiden kenne ich und jetzt habe ich doch plötzlich Angst vor den Neuen. Aber Mist. Eine der neuen Zweibeiner steht mir im Weg und daran will ich nicht vorbei. Und jetzt sind die beiden anderen weg! Was mach ich nun ? Ich habe Angst.

    Ich bleibe also erstmal ruhig liegen und warte ab. Am besten ich verziehe mich hinter eine Bank und beobachte alles in Ruhe. Gott-sei-Dank man lässt mich auch in Ruhe. Alle sitzen rum und tun so, als wäre ich gar nicht da, aber ich weiß, sie beobachten mich. Ich bin schließlich nicht blöd !

    Während der nächsten Stunden kommt immer wieder einer der neuen Zweibeiner zu mir und redet ganz lieb mit mir. Sie scheinen doch nett zu sein, also erlaube ich, dass sie mich streicheln. Mehr aber bitte nicht.

    Später machen sie dann Feuer und plötzlich riecht es ganz doll lecker. Aber ich bleibe hart. Ich komme nicht hinter meiner Bank hervor. Aber gucken und schnuppern wird ja noch erlaubt sein.

    Nachdem die Zweibeiner gefressen haben, bekommen die zwei kleinen Vierbeiner was. Ob ich auch was bekomme ? Ich habe richtig Hunger und heute gab’s noch nichts. Ja, ich kriege auch einen Napf direkt vor die Schnauze gestellt. Jetzt muss ich mich entscheiden: weiter stur bleiben oder fressen. Ich entscheide mich für das zweite und habe wohl genau das Richtige getan, denn die Zweibeiner scheinen sich zu freuen und füllen meinen Napf noch mal. Aber diesmal sind sie richtig fies. Sie stellen den Napf weiter weg von mir, so dass ich aus meinem Versteck heraus muss, wenn ich fressen will. Und ich will fressen ! Also, nach allen Richtungen sichern und schauen, ob die Luft rein ist. Ist sie. Also dann vorsichtig Schritt für Schritt Richtung Napf und ratzfatz schnell alles auffressen.

    Jetzt geht’s mir besser. Ich glaube, die neuen Zweibeiner sind okay. Also, laufe ich mal ein wenig auf der Terrasse herum. Mehr traue ich mich dann doch nicht.

    Oh, was kommt jetzt ? Eines der neuen Frauchen hat mein Geschirr in der Hand. Will sie mit mir spazieren gehen ? Ich liebe Spaziergänge, aber sie ist ja noch eine Fremde und mit denen gehe ich gar nicht. Auch hier also wieder die Gewissensfrage. Was mach’ ich nun ? Ich müsste ja mal raus, denn ich weiß nicht, ob und wo ich hier mein Geschäft erledigen kann. Frauchen legt mir das Geschirr vorsichtig um, macht auch noch die Leine fest und ist genauso erstaunt wie ich, als ich plötzlich aufspringe und los will.  Auch hier war meine Entscheidung wieder richtig. Wir sind raus, an 2-3 Häusern vorbei und plötzlich war da nur noch Feld und Wiese. Das war so schön, dass ich am liebsten Bocksprünge gemacht hätte, was aber durch die Leine behindert wurde. Wir sind noch nicht allzu weit gegangen, aber es genügte, um all das zu erledigen, was ein Hund nun leider in aller Öffentlichkeit erledigen muss.

    Wieder zuhause fand ich es war an der Zeit, meine neue Umgebung etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Der Hof ist schön. Es gibt eine Couch nur für uns und Wasser steht auch überall. Zwei Hasen sind in einem Stall, aber die interessieren mich nicht so. Überall stehen Pflanzen und Blumen, aber Frauchen hat mir schon gesagt, dass wir zwei beiden Ärger miteinander bekommen, wenn ich diese ausbuddele oder sonst Blödsinn damit mache. Da braucht sie keine Angst zu haben. Ich bin doch schließlich ein Hund von Welt und nicht irgend so ein dahergelaufener Vegetarier.

    Wir, das heißt meine neue Sippe und ich, blieben noch ein wenig draußen, wobei ich in der Zeit auch schon mal ein wenig in dem großen Kasten herum gelaufen bin. Herrlich, überall roch es nach Hund oder nach den zwei anderen komischen Vierbeinern, die ich noch gar nicht kenne. Hunde sind es jedenfalls nicht, denn ihr Bellen klingt so wie miau. Noch weiß ich nicht, was ich von denen halten soll, aber da mach ich mir jetzt noch keinen Kopf. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat. Ich weiß nämlich schon, dass mein Vierbeinerkollege Paulchen diese beiden miauenden Etwas gerne am Genick nimmt und sie schüttelt. Vielleicht versuche ich das bei Gelegenheit auch mal. Immerhin, wenn die so blöd sind und sich das gefallen lassen!

    Es wird immer später und plötzlich wollen alle nur noch in den Kasten. Da ich so was noch gar nicht kenne, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass man darin leben kann, Aber ich bin ja neugierig. Also gehe ich einfach mal hinterher. Ist gar nicht so übel. Hier ist es warm und wenn es regnet, wird man nicht nass. Feine Sache. Meine Frauchen rufen dann: „Paulchen, Snoopy, komm wir gehen ins Heiahbett“ und die kleinen Vierbeiner laufen treu und brav in einen kleineren Kasten. Was in aller Welt bedeutet Heiahbett ? Ich schaue mir den kleinen Kasten mal an, aber ne, das ist nichts für mich.

    In einem größeren Kasten, den sie Wohnzimmer nennen, lege ich mich zwischen ein so genanntes Bücherregal und zwei Sessel. Man denke immer an die Überlegensregeln: Rücken frei halten. Nachdem ich noch mal umhergelaufen bin und an meinen neuen Lieblingsplatz zurückkomme, liegt da plötzlich ein großes rotes Etwas, wo man sich drauflegen kann. Ist das für mich ? Ich versuche mal, was passiert, wenn ich mich drauflege. Nix passiert, dann ist das wohl für mich !
    Schön kuschelig. Jetzt bin ich aber auch müde und möchte nur noch schlafen. Alle anderen sind weg, es ist dunkel, ich glaube ich kann riskieren, die Augen zu schließen. Ich resümiere noch einmal den ganzen Tag und ja, ich glaube, hier wird es mir gefallen. Gute Nacht.

    Montag, 06.08.07

    Ich wusste es ! Auch diese Zweibeiner sind falsch ! Sie haben mich verlassen ! Aber der Reihe nach.

    Gegen 05.30 Uhr, also mitten in der Nacht, hörte ich plötzlich Stimmen aus dem kleinen Kasten, der heißt hier übrigens Schlafzimmer, und meine neuen Frauchen kommen raus. Falsche Schlangen. Tun noch ganz nett, streicheln mir über den Kopf, sagen guten Morgen und wissen jetzt schon genau, dass sie mich bald verlassen werden. Aber erstmal hieß es, Geschirr an und Gott-sei-Dank es geht wieder raus. Meine Blase war auch schon recht voll.

    Nach unserer Pippirunde gab’s dann auch wieder was zu fressen und die Zweibeiner saßen so rum und lasen Zeitung und bellten sich gegenseitig an. Da sehe ich ein offenes Fenster. Fenster ist immer gut – so von wegen Fluchtmöglichkeit. Erstmal auf die Hinterpfoten und rausgucken. Ob man da raus springen kann ? Versuch’ ich’s doch einfach mal. Ein Satz, aber mein Oberkörper bleibt auf der Fensterbank liegen. Warum schreien meine Frauchen jetzt bloß so ? War wohl keine gute Idee von mir. Also, lieber erstmal Rückzug. Frauchens sind anscheinend richtig böse, bellen irgendwas vom ersten Stock und nicht überleben und prompt ist das Fenster auch zu. Ich verstehe die ganze Hektik sowieso nicht und verziehe mich lieber auf mein Kissen.

    Inzwischen haben sich die beiden Zweibeiner – an dieser Stelle sollte ich sie vielleicht beim Namen nennen, also Frauchen 1 Dany und Frauchen 2 Moni – angezogen und scheinen was vor zu haben. Ich darf zwar aus dem Wohnzimmer raus und man hat mir auch die Tür zum Hof aufgemacht, aber ich will lieber mit den beiden mitgehen. Aber halt, was machen die ? Die gehen zur Tür raus und nehmen mich nicht mit ! Ich wusste es, man darf Zweibeinern einfach nicht trauen. Jetzt bin ich wieder alleine. Die kommen bestimmt nicht wieder. Warum nur sind Paulchen und Snoopy so ruhig geblieben ? Für die schien das vollkommen normal zu sein. Die haben wohl keine Ahnung.

    Jedenfalls habe ich dann die nächsten Stunden damit verbracht im Hof und im Haus rumzulaufen und doch ab und zu mal zur Tür zu schielen. Vielleicht kommen sie ja doch zurück.

    Sie kommen zurück !! Moni kommt schon recht bald wieder, aber Strafe muss sein. Wenn die denkt, ich komme jetzt zu ihr und begrüße sie, dann hat sie sich geschnitten. Dafür, dass mein Schwanz wedelt, kann ich allerdings nichts. Der hat so sein Eigenleben. Ich mache weiter auf stur und komme nicht hoch ins Wohnzimmer. Irgendwann kommt dann auch Dany zurück, aber auch die muss bestraft werden. Schließlich ist inzwischen Moni wieder weg und hat dazu noch Paulchen mitgenommen, aber mich nicht. Frechheit ! Um ehrlich zu sein, habe ich später erfahren, dass das arme Paulchen zum Tierarzt musste und da bin ich doch ganz froh, dass ich nicht mitfahren musste.

    Dany hat mich dann aber auch ignoriert, so dass ich dann doch mal zu ihr gegangen bin. Wie schön, ich wurde wieder gestreichelt. Dann hat sie jede Menge Sachen auf die Terrasse geschleppt und zu mir gesagt, sie müsse jetzt erstmal bügeln und außerdem wäre es noch viel zu heiß zum Spazierengehen. Womit sie auch Recht hatte. Ich habe mir ein schattiges Plätzchen gesucht und beim Bügeln zugesehen. Moni kam dann auch zurück und später ging es wieder raus. Herrlich so ein Landleben !

    Alle Zweibeiner sind dann noch mal weggefahren und haben uns alle drei hier gelassen, aber da hatte ich dann nicht mehr so viel Angst. Sie kamen auch schnell zurück und wollten dann aber ins Haus, aber ich wollte noch draußen bleiben. Nach ein wenig hin und her habe ich dann gewonnen.

    Alle waren oben im Wohnzimmer und ich bin dann ganz leise mal die Treppe hoch, um zu sehen, was dort passiert. Oh wie gemein. Paulchen und Snoopy bekamen was zu fressen. Und was ist mit mir ? Also kratzen wir mal an die Tür. Mit Erfolg. Frauchen macht auf und hat meinen Napf in der Hand. Oh, das duftet aber lecker. Böse Frau, sie stellt ihn ins Wohnzimmer. Wieder das alte Spiel, soll ich reinkommen und fressen oder draußen im Treppenhaus bleiben und hungern ? Was soll’s . Bis jetzt waren sie lieb zu mir, wird mir auch jetzt nichts passieren. Rein, futtern und ab auf mein Kissen. Und plötzlich war ich auch wieder so müde. Die anderen gehen wieder ins Schlafzimmer, aber ich, nein ich bleibe hier.

    Gute Nacht.

    Dienstag, 07.08.2007

    Wieder ein neuer Morgen, wieder früh aufstehen, wieder Pippirunde, aber dann geht nur Moni weg und Dany bleibt hier. Wie schön. Vielleicht sehen sie es jetzt ein, dass ich Gesellschaft haben will.

    Aber was macht denn die Dany ? Spielt nicht mit mir, sondern sitzt vor einem Kasten und schreibt irgendwas. Ich will aber in der Nähe sein und lege mich demonstrativ unter den Schreibtisch.

    Apropos Gesellschaft. Ich bin ja eigentlich nicht alleine tagsüber, Paulchen und Snoopy sind auch noch hier, aber denen traue ich überhaupt nicht. Die wollen nur mein Fressen, mein Kissen und obendrein wollen die hier einfach so rumlaufen. Das geht nicht ! Das ist mein zuhause ! Hier laufe nur ich rum !

    Ich knurre die beiden also jedes Mal an, wenn sie mir zu nahe kommen. Sollen nur nicht glauben, ich brauche die. Obwohl wenn ich ehrlich bin, würde ich gerne mit denen spielen, aber ich traue mich nicht. Aber vielleicht in den nächsten Tagen.

    Der Tag verläuft ganz prima. Dany nimmt Paulchen und mich gegen Mittag und wir laufen ganz ganz lange spazieren. Das könnten wir jeden Tag machen, aber leider muss auch die Dany arbeiten, damit sie Hundefutter für mich kaufen kann.

    Sonst ist eigentlich nix aufregendes passiert.

    Wenn ich meine ersten drei Tage hier so überdenke, muss ich zugeben, dass es mir richtig gut gefällt. Ich muss mir keine Sorgen mehr ums Fressen machen und bekomme ganz ganz viele Streicheleinheiten.

    Aber man hat mir auch schon gesagt, dass ich noch viel lernen müsste. So von wegen Sitz, Platz und anständig an der Leine gehen. Da wollen wir aber erstmal sehen, ob mir das gefällt. Wenn nicht, immerhin bin ich hier der Chef. Na ja, eigentlich nicht, aber der Gedanke ist einfach verlockend.

    Mit einer Bürste kam man mir auch schon zu nahe, aber ätsch, ich hatte kein Geschirr an und war natürlich fluchs geflüchtet. Das wollen wir erst mal sehen, ob ich das mit mir machen lasse.

    Da mir die Zeit fehlt jeden Tag zu schreiben, hört ihr so ab und zu von mir.

    Viele liebe Grüße an alle in Köln-Ostheim

    Eure Andra

    PS

    Den Namen Afra fand ich zwar auch schön, aber meinen Frauchen hat das nicht so richtig gefallen. Andra ist aber auf jeden Fall besser als die anderen Vorschläge wie Aleta oder Ashanta oder gar Alisha.

    .. und wir sind sehr gespannt auf die Fortsetzung

    und hier ist sie:

     

    Hallo, hier ist wieder Eure Andra. Ich habe Euch wieder einiges zu berichten.

    Samstag, 25.08.2007

    Heute bin ich zum ersten Mal mit meinem Frauchen Auto gefahren. Und das hat ganz super geklappt. Frauchen nimmt mich an die Leine, Heckklappe beim Kombi auf und ich, ja ich springe einfach so ’rein, als ob es das selbstverständliches auf der Welt wäre. Frauchen war auch sehr erstaunt. Wir sind dann sogar bis nach Frankfurt gefahren, also eine ganze Stunde lang. Anfangs bin ich ein wenig auf und ab gegangen, aber dann war es mir zu langweilig, und ich habe mich hingelegt.

    In Frankfurt wollen wir auf eine Party, was immer das bedeutet. Mal sehen, ob mir das gefällt. Jedenfalls in Frankfurt bin ich auch brav wieder aus dem Kofferraum gehüpft und wie ein gut erzogener Hund ganz anständig über die Straße gegangen. Wir sind dann in einen Hof gegangen und oh Gott, was ist das. Hier sind ja ganz viele Leute, die ich alle nicht kenne und was ganz schlimm ist, es sind auch Männer dabei. Die kann ich mal überhaupt nicht ab.

    Unsere zwei mittelgroßen männlichen Zweibeiner, die hier leider auch wohnen, mag ich auch nicht. Wenn die es nur wagen in MEIN Wohnzimmer zu kommen, werde ich zickig. Ich knurre, belle und verziehe mich. Der eine sollte mal mit mir spazieren gehen, aber weit gefehlt. Ich bin nicht mitgegangen. Er musste mich hinterher ziehen und „gemacht“ habe ich auch nichts. Nein nein, Männer mag ich gar nicht. Jedenfalls unseren scheint das aber egal zu sein. Die ignorieren mich, aber wenigstens lassen sie mich in Ruhe.

    Aber zurück zur „Party“. Jedenfalls wollte mein Frauchen mich in eine Ecke verfrachten, aber dazu hätte ich an all den Fremden vorbeigemusst. Keine Chance ! Also sollte ich auf Umwegen durch das Haus dahin gebracht werden, wo bereits das andere Frauchen saß. Fast hätte es geklappt, aber musste denn auch mitten im Haus jemand stehen und mich dumm angucken. Ich gehe keinen Schritt weiter. Moni aber nimmt mich einfach auf den Arm und trägt mich nach draußen. Alle anderen Zweibeiner gucken jetzt erst recht dumm. Mir auch egal.

    Jedenfalls sitzen meine beiden Frauchen dann draußen mit mir. Paulchen und Snoopy sind auch schon da und noch eine weitere Hündin. Die ist aber auch ganz nett. Anfangs lässt man mich an der Leine, aber nachdem doch einige der vielen Fremden weg sind, darf ich frei herumlaufen. Das versuche ich dann ganz vorsichtig. Gut, keiner beachtet mich. Und wenn dann bin ich eben ganz schnell wieder verschwunden. Oder wenn es ein männliches Wesen ist, knurre ich ganz böse.

    Es wird dunkel, es wird kalt, aber meine Frauchen sitzen und sitzen. Ich rolle mich dann eben zusammen und schlafe schon mal ein wenig. Irgendwann heißt es dann aufstehen und ins Bett gehen. Jetzt soll ich auch noch in einen komischen Kasten mit Rädern, den sie Wohnwagen nennen. Na gut, Paulchen und Snoopy gehen auch rein, also wird es schon nicht so schlimm werden.

    Ich bin müde, meine erste Party hat mich doch sehr geschlaucht. Gute Nacht.

    Sonntag, 26.08.2007

    Ich will aus diesem Wohnwagen raus. Ich muss mal ! Aber Dany und Moni pennen und pennen. Endlich steht Dany auf und lässt mich raus. Jetzt muss ich halt hier mein Geschäft erledigen. Das widerstrebt mir sehr. Zuhause mache ich das auch nur, wenn wir spazieren gehen. Auch wenn Paulchen und Snoopy das auch schon mal in unserem Hof erledigen, ich nicht. So leicht kommen meine Frauchen mir nicht davon. Die wollten mich haben, also sollen sie auch mit mir gehen. Na ja, das tun sie aber eigentlich auch jeden Morgen und jeden Abend.

    Wir verbringen noch ein wenig Zeit in Frankfurt und dann geht es ab nach Hause. Frauchens sind auch noch müde, also verbringen wir den restlichen Sonntag in allgemeiner Ruhehaltung.

    My Kissen is my castle !

    Dienstag, 28.08.2007

    Montag war eigentlich nichts los.

    Aber heute hatten wir Premiere: ich bin OHNE Leine spazieren gegangen ! Ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber Frauchen hat mich sozusagen in freier Wildbahn mal von der Leine gelassen. Das war so was von klasse !

    Ich bin gerannt und gesprungen und hatte tierisch Spaß. Frauchen anscheinend auch. Aber was ist das ? Da steht ein Auto mitsamt einer Frau und zwei von diesen großen Hunden auf denen manchmal Leute sitzen, stehen auf einer Wiese. Das muss ich mir mal näher betrachten.

    Ja, Frauchen ruft mich zwar, aber das hier ist viel interessanter. Frauchen kenne ich schließlich bereits. In gebührendem Abstand beobachte ich die großen Hunde und die Frau, bin aber ganz ruhig, belle nicht und knurre auch nicht. Die Frau kommt einen Schritt auf mich zu, Hilfe, Frauchen wo bist Du ? Ich renne schnell mal in Richtung Frauchen. Instinktiv habe ich wohl das Richtige getan, denn die freut sich. Denkt wohl ich komme, weil sie mich gerufen hat. Quatsch, ich fühle mich auch nicht sicherer in ihrer Nähe, ich wollte einfach nur so zu ihr.

    Und wie wird mir das gedankt ? Ich komme wieder an die Leine. Jetzt heißt es, ich müsste erst mal richtig hören und dann dürfte ich auch wieder alleine laufen. Ich erzähle Euch aber noch, wer hier gewinnen wird.

    Mittwoch, 29.08.07

    Wenn ich Euch jetzt erzähle, was ich heute angestellt habe, setzt sich Ulla direkt ins Auto und holt mich ab. Aber ich will hier bleiben und verspreche so etwas wie heute nicht mehr zu machen. Ich hatte aber auch meine Gründe.

    Frauchens sind am späten Nachmittag noch mal einkaufen gefahren und haben uns drei wieder nicht mitgenommen. Nadine wollte mir einen Gefallen tun und ist mit mir spazieren gegangen. Das hat alles prima geklappt. Ich habe mich anständig benommen und auch meine Geschäfte brav erledigt. Wir sind dann nach hause, aber was macht denn Nadine jetzt ? Ich komme von der Leine los und sie nimmt Paulchen und Snoopy an ebensolche. Sie will doch nicht mit denen gehen ? Und ich ? Ich will auch wieder. Aber sie nimmt mich nicht mit. Da hat sie aber die Rechnung ohne mich gemacht. Wenn ich mitgehen will, dann finde ich schon einen Weg.

    Ich also raus in den Hof, Maß nehmen und einen Satz, und ich bin auf der Mauer !!! Und noch einen, und ich bin auf der anderen Seite !!

    Andra ca. 0,50 m hoch

    Mauer ca. 2,00 m hoch

    Der Nachbar guckt zwar etwas irritiert, aber mir doch egal. Ich flitze los und suche Nadine und die beiden Kleinen. Inzwischen gibt es hinter mir einen kleinen Menschenauflauf. Verschiedene Kinder schreien nach Nadine, rennen kreuz und quer und hinter mir her. Irgendwann habe ich sie gefunden und renne begeistert zu ihr hin. Einer der anderen kleinen Kinder hat - wie auch immer - meine Leine geholt, Nadine legt mir das Geschirr um und nimmt mich an die Leine. Die zwei anderen werden irgendwelchen Kindern in die Hand gedrückt und ab geht’s nach Hause. Frauchens waren auch schon per Handy über meine Eskapade informiert, aber die strunzen immer noch in Koblenz rum. Schuhe kaufen!

    Jedenfalls haben sie noch nicht mit mir geschimpft, denn irgendwo haben sie mal gelesen, dass man mit uns Hunden immer sofort schimpfen müsste, da wir ansonsten alles wieder vergessen haben. Von wegen, aber ich lasse die beiden ruhig in dem Glauben.

    A propos Glauben, ich glaube aber, dass ab Morgen der Hof zu ist und ich nur noch sozusagen unter Aufsicht mich da aufhalten darf. Das stört mich aber eh nicht so, denn tagsüber bin ich eh am liebsten im Wohnzimmer auf meinem Kissen.

    Es ist mir übrigens nichts passiert, sämtliche Grätschen sind heil geblieben. Hätte auch anders ausgehen können.

    Und weiter geht’s mit dem Tagebuch der vierbeinigen Zicke:

    06. 11. 2007

    Also, ich muss Euch mal erzählen, was mir hier in den letzten beiden Wochen so alles passiert ist. Wenn Ihr das hört, holt Ihr mich sofort wieder zurück J (Von wegen, wir sind froh, dass Du so geduldige Menschen gefunden hast, die auch vor Deinem Zickenalarm nicht zurückschrecken !)

    Alles fing damit an, dass man mich ins Auto packte und zum Tierarzt fuhr. Na wenigstens ist Paulchen auch mit gefahren. Ein Trost ! Dort angekommen wollten Dany und Moni draußen auf der Bank warten bis wir dran waren, aber es wurde diesen dann bald zu kalt. Während wir noch so warteten, kam der Tierarzt ( hier muss ich dazu sagen, dass wir ein Tierarztehepaar haben, dass immer abwechselnd Sprechstunde hält und meine Zweibeiner haben schon drauf geachtet, dass SIE praktiziert ) vorbei und sprach doch tatsächlich meine Zweibeiner auf mich an. Oh, das war ein Mann, also ANGST ! Jedenfalls meinte er, dass ich nicht nur Angst vor Männer hätte, sondern das sei schon reine Panik. Pah Panik, ich mag einfach keine Männer.

    Wir haben dann doch ganz mutig den Gang in die Praxis gewagt, aber wie die Tür zum Wartezimmer aufging und da dann doch richtig Betrieb war, wurde es mir ganz schön mulmig zumute. Die 4 Hunde und zwei Katzen im Körbchen haben mich nicht interessiert, aber die 3 Männer !!!!! Nein, da gehe ich nicht rein. Aber da hatte ich die Rechnung ohne Dany gemacht. Die hat mich einfach auf den Arm genommen und in eine Ecke bugsiert. Da lag ich nun und ergab mich still meinem Schicksal. Endlich kamen wir dann auf dran. Die Tierärztin war begeistert von mir und meinte, wenn wir die Angst in den Griff bekommen, würde ich ein ganz toller Hund werden. Jedenfalls wurde Paulchen auf den Tisch gesetzt und ich einfach dazu. Ich hatte einen kleinen Knoten an der Hüfte, aber wie Tina ( das ist unsere Tierärztin ) draufdrückte, spritzte braune Brühe raus. Dany wurde blass, weil sie dachte, ich wäre so richtig krank, aber es war nur ein kleiner Grützbeutel, der sich damit auch erledigt hatte.

    Dann kam auch noch Paul – das ist der Mann von Tina – dazu und die Zweibeiner unterhielten sich nur noch über mich. Paul meinte, dass ich ab sofort nur noch von einem Mann bzw. Jungen gefüttert werden sollte, damit ich  so meine Angst abbauen kann. Es könnte nämlich passieren, dass sich meine Panik auch auf andere Personen reflektiert und ich dann auf alles und jeden ängstlich reagieren würde. Außerdem sollte man mein Knurren und Bellen beim Auftauchen unserer Jungs einfach ignorieren.

    Und was glaubt Ihr, meine beiden Frauchen haben sich doch prompt daran gehalten. Abends kam dann Daniel mit meinem Napf an. Ich soll fressen, wenn ein männliches Wesen daneben sitzt ? NIE.  Habe ich auch durchgehalten, weil ich war mir, sicher Frauchen stellt es mir dann später wieder hin. Weit gefehlt ! Daniel hat dann den Napf wieder weggetan und ich musste ohne Fressen ins Bett.

    Am nächsten Abend das gleiche Spiel. Jetzt war aber der Hunger stärker. Natürlich bin ich erstmal quer durchs Wohnzimmer geflüchtet, aber er kam immer hinter mir her. Dann hat er auch noch versucht mich mit der Hand zu füttern. Aber ich hatte so einen Hunger ! Ich habe gefressen und eigentlich ist es doch ganz nett aus der Hand gefüttert zu werden. Der nächste Abend kam und Daniel mit meinem Napf. Aber ich wollte nicht. Nach mehr als einer halben Stunden haben dann meine Chefinnen gesagt, es reicht und schwupps war mein Napf wieder weg. So geht das auch nicht. Wieder einen Abend später das gleiche Spiel. Erst habe ich mich natürlich wieder geziert, dann aber aus der Hand gefressen. Die nächsten Tage war Daniel nicht da und so habe ich mein Futter wieder aus der Hand meiner Frauchen erhalten. Aber das war mehr oder weniger die Ausnahme. Wenn er jetzt kommt, fresse ich ohne Zicken. ( Ein erster Erfolg !!! )

    Ich knurr und bell zwar immer noch, wenn er kommt, aber ich fresse, was er mir gibt. Aber bei anderen Männern mache ich immer noch Radau. Dany und Moni glauben aber, dass das der richtige Weg ist.

    Aber das alleine war nicht das Einzige, was hier so abging. Letzten Sonntag hatten wir doch Besuch, eine Frau mit Mann. Mann = Bellen, Knurren und aufgeregt im Wohnzimmer umher laufen. Der Mann aber beachtete mich gar nicht, nein, eigentlich beachtete mich überhaupt keiner. Da er aber ruhig auf der Couch saß, habe ich mich dann auch hingelegt, wenn auch in ausreichender Entfernung.

    Zwei Tage später wurde es noch besser. Dany hatte Geburtstag und plötzlich waren ganz ganz viele Menschen hier. Die saßen alle in unserer Bar am Tisch und haben mich aber in Ruhe gelassen, und ich habe mich hinter den Tresen verzogen. Hauptsache, ich war aber dabei.

    Hatte ich geglaubt, dass sei so das Schlimmste, dann hatte ich den nächsten Abend nicht mit gerechnet. Da fand dann die richtige Party statt und noch mehr Menschen waren hier und auch viele viele Männer. Jetzt saßen die nicht nur am Tisch, sondern standen auch an der Bar. Im Wohnzimmer alleine wollte ich aber nicht auch nicht bleiben, also musste ich da wohl durch. Irgendwann hatte ich mich dann in eine Ecke verzogen und wollte meine Ruhe, da ist doch einer der Männer zu mir gekommen und hat sich zu mir auf den Boden gelegt. Meint wohl, er wäre der Hundeflüsterer. Abhauen konnte ich nicht aus meiner Ecke, also alles stumm und mit stoischer Ruhe über mich ergehen lassen. Ging auch ganz gut. Der war eigentlich ganz lieb. Aber auch dieser Abend ging irgendwann zu Ende und Ruhe kehrte wieder ein. Dass am nächsten Abend ein einzelner Mann zu uns kam, nahm ich dann schon fast gelassen auf. Ich war nur froh, dass die nächsten Tage wieder Ruhe einkehrte und ich meine Abende still auf meinem Kissen verbringen konnte.

    Aber eins passierte auch noch: wir bekamen Besuch, aber keine Menschen, nein, meine Frauchen machten Hundesitter und so kam Maxi für einen Tag zu uns. Das ist so ein kleiner wilder halbjähriger Mischmasch zwischen Pudel und Yorkshireterrier, den unser Paulchen heiß und innig lieb. Der kam natürlich auch zu mir. Na ja, schnuppern wird noch erlaubt sein, aber mehr bitte nicht. Ich strahle wohl irgendwas aus, dass signalisiert, dass ich keinen näheren Kontakt zu anderen Hunden habe möchte. Maxi hat mich dann auch seinerseits ignoriert und ich habe in Ruhe von meinem Kissen aus beobachtet, wie er und Paulchen durchs Wohnzimmer tobten.

    Später ist Dany dann mit mir, Paulchen und Maxi spazieren gegangen. Als ich von der Leine war, bin ich erstmals los gesprintet. Und dieser kleine Flohteppich hinter mir her. Na, dem zeige ich, wer hier die längeren Beine hat. Das machte richtig Spaß so umher zu rennen und Haken zu schlagen, während Maxi hinter mir her lief. Der war aber auch nicht dumm und hat mir doch einmal glatt den Weg abgeschnitten. Pech für ihn, das ich nicht rechtzeitig bremsen konnte und ihn einfach über den Haufen gerannt habe. Aber der war hart im Nehmen. Der darf ruhig öfter kommen, aber bitte nicht in mein Haus, sondern nur zum draußen rumtollen.

    So gehen die hier mit mir um. Leute im Haus, Männer die bei mir auf dem Boden liegen und ein Junge, der mich füttert. Ich muss schon ganz schön leiden.

    Aber ansonsten fühle ich mich hier immer wohler. Die beiden kleinen Rüden sind auch ganz nett und heute Abend habe ich ein klein wenig mit ihnen gespielt.

    Ach, lasst mich doch lieber hier. Hier geht’s mir gut, und ich werde bestimmt noch ein ganz toller Hund. Ich glaube auch, dass meine Frauchens mich eh nicht mehr hergeben würden.